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Und wenn auf dem Kudamm ein Schulbus in die Luft gesprengt wird?

Die Anti-Terror-Politik von Bush und Blair - und die deutsche Sicht darauf

Von Mathias Döpfner

 

Das Weltbild des durchschnittlichen Deutschen im Jahr 2004 in sieben Sätzen: Bush ist dumm und böse. Der Irak ist das neue Vietnam. Amerika macht fast alles falsch. Scharon ist am Palästinenserterror selbst schuld. Israel hat uns den ganzen Schlamassel eingebrockt. Deutschland hat sich Gott sei Dank rausgehalten. Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass durch unnötigen Sicherheitswahn aus unserem schönen Rechtsstaat kein Überwachungs- und Polizeistaat wird.


Sie meinen, das sei übertrieben? Ein wenig! Aber wenn man in diesen Tagen in die Kneipengespräche des linken Establishments und - wesentlich schlimmer noch - in das Salongeplänkel des so genannten bürgerlichen Lagers hineinhorcht, wird man die Versatzstücke wieder entdecken. Vor allem Antiamerikanismus ist zu einem "Comme il faut" der gebildeten Konversation geworden. Aber - und das ist neu - keineswegs vor allem seitens der Linken. Gerade in nationalkonservativen und kulturkonservativen Kreisen herrscht spürbar Erleichterung darüber, dass man endlich wieder unverhohlen gegen die Amerikaner sein darf.

In die von Selbstgerechtigkeit und Realitätsverlust parfümierte Gemütlichkeit platzt nun ein Appell aus einer überraschenden Richtung. Hans Leyendecker, Robin Hood der linken Publizistik mit exzellenten Kontakten zu Geheimdiensten, hat in der "Süddeutschen Zeitung" einen bemerkenswerten und aufrüttelnden Text veröffentlicht. Unter dem Titel "Der Preis ist heiß" beschreibt er die unterschätzte Gefahr islamistischer Terroristen im Alarmton: "Die Debatte über Unschuldsvermutung und Bürgerrechte wird erst dann jäh enden, wenn in diesem Land der erste Anschlag Menschen in Stücke reißen sollte." Und: "Sie wollen die Welt in Flammen setzen. ... Mit diesen Dschihadisten sind also keine Kompromisse zu erzielen." Am triftigsten ist dieser Appell, mit dem erkennbar auch gegen (Selbst-)Gewissheiten des eigenen Milieus angeschrieben wird, wenn der Autor den islamistischen Feldzug mit den Kreuzzügen vergleicht. So, wie es damals unter dem Deckmantel der Religion das arme Westeuropa auf den Wohlstand Kairos, Bagdads oder Alexandriens abgesehen hatte, so werde heute zum "heiligen Krieg gegen die Reichen" in Amerika und Europa mobilisiert.

Wer die verzweifelte Armut, die unfrei dumpfe Tristesse im Alltag einiger fundamentalistisch geprägter arabischer Staaten selbst erlebt hat und wer dabei multikulturelle Romantik für einen Augenblick ausblendet, der begreift die Alternative, vor der die Menschen dort stehen: Sie können die westliche Welt nur entweder beneiden und kopieren oder hassen und bekämpfen. In Ermangelung diesseitiger Perspektiven und in der Hoffnung auf jenseitige Paradiese wird der Kampf gerne mit der Waffe des eigenen Lebens geführt.

Das festzustellen heißt nicht, den Islam pauschal zu diskreditieren. Im Gegenteil: Islamistische Fanatiker und Dschihadisten dürfen mit den Millionen gläubiger Moslems nicht vergemeinschaftet werden. Gewaltbereite Fundamentalisten stehen nicht für die Ideale des Islam, sie verraten sie. Sie missbrauchen, ähnlich den katholischen Organisatoren der Kreuzzüge und der Inquisition, die Religion zur Durchsetzung ihrer Macht- und Mordfantasien. Ihr Heiliger Krieg gegen die Ungläubigen widerspricht dem Koran, der ausdrücklich sagt, dass nur Allah die Gläubigen und Ungläubigen erkennen und unterscheiden könne. Die Anmaßung, dass mordwütige Mullahs das auf Erden bestimmen und besorgen könnten, ist im Sinne des Korans Gotteslästerung. Auch deshalb distanzieren sich so viele Islam-Organisationen von dem Zerrbild einer keineswegs in toto gewaltbereiten Weltreligion.

Nur wenn zwei Dinge zusammenkommen, kann das Netzwerk der selbst ernannten Gotteskrieger wirklich geschwächt werden: harter Widerstand von außen, also durch die westlichen Demokratien, und klare Distanzierung aus der Mitte der moslemischen Welt, besonders der Geistlichkeit. George Bush hat das von Anfang an begriffen und mit seinen Besuchen in Moscheen überdeutlich gemacht: Nur gemeinsam mit dem Islam kann man die Terroristen stoppen.

Wenn man die Herausforderung dieses Religionskrieges, der in Wahrheit ein Kultur- und Kapitalkrieg ist, ernst nimmt, wenn man davon überzeugt ist, dass mit "Dschihadisten keine Kompromisse zu erzielen sind", wenn man sich also auf eine lange und verzweifelt aggressive Bedrohung einstellt, dann steht die Frage im Raum, warum die nichtislamische Welt offenbar kaum gewillt ist, ihren Teil der Aufgabe zu erledigen.

Wer wehrt sich wirklich? Wer verteidigt uns wirksam?

Seit dem 11. September, dem Tag, an dem die islamistischen Terroristen den Weltkrieg erklärt haben, gibt es vor allem zwei Nationen, die etwas tun und sich etwas trauen: Amerika und England. Und seit diesem Tag gibt es vor allem drei Nationen, die am moralischen Pranger stehen: Amerika, England und immer wieder Israel.

Israel, dieser winzige Streifen Land, liegt an der Hauptfront dieses Weltkriegs. Auf ein paar Quadratmetern Land wird symbolisch und sehr konkret der Konflikt ausgetragen zwischen Orient und Okzident, zwischen Vormoderne und Moderne, zwischen Fundamentalismus und Liberalismus, zwischen Globalisierungsverlierern und Globalisierungsgewinnern.

Naiv und von der bequemen und scheinbar sicheren Empore des europäischen Beobachters aus werden Tipps gegeben, wie Israel, umzingelt von einem Antisemitismus der blutrünstigsten Sorte, den Kampf gegen Selbstmordkommandos und Vertreibungswahn zu führen habe: mehr Kompromisse, mehr Zugeständnisse, mehr Verhandeln bitte! Ich frage mich, wie sich Berlin verhielte, wenn an fast jedem Wochenende auf dem Kudamm ein Bus mit deutschen Schulkindern in die Luft gesprengt würde.

Wer etwas tut, macht Fehler. Auch Bush und Blair: etwa in der Begründung und Vermittlung ihrer Afghanistan- und Irak-Politik, im Konzept und im Erwartungsmanagement der Schlüsselfrage, wie schnell Regionen pazifisiert und demokratisiert werden können. Aber bei allen Fehlern im Detail (oder häufig auch nur in der Öffentlichkeitsarbeit) ist ihre Politik im Kern richtig. Es ist eine Politik des klaren, harten Widerstands gegen die Feinde der freien Welt.

Man muss nicht so weit gehen wie Niall Ferguson, der in seinem Buch "Das verleugnete Imperium" den Amerikanern vorwirft, nicht genug zu tun, um überall auf der Welt Rechtsstaat, Demokratie und Marktwirtschaft zu verbreiten. Seine These: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr "Anglobalisierung".

Aber man darf doch feststellen, dass die Regierungschefs in London und Washington genau das tun, was die Öffentlichkeit von Politikern immer häufiger vergeblich fordert: Sie folgen ihren Überzeugungen, sie vertreten diese Überzeugungen gegen den allgemeinen Zeitgeist, gegen Widerstand, zum Teil aus den eigenen Reihen Und sie tun das, was eine internationale Allianz der Feigheit nicht zu tun bereit ist.

Dabei geht es nicht um die Verharmlosung von Krieg und Gewalt, wenn sie nur der guten Sache dienen. Im Gegenteil: Moral und gute Absichten als Argumente zur Verteidigung von Gewalt sind immer suspekt. Aber es geht um die Abwägung, wann die Toleranz gegenüber der Intoleranz aufhören muss. Und wann Nichtstun schlimmer ist als die Verteidigung des westlichen Systems mit militärischen Mitteln.

Bush und Blair stehen hier vor einem fast unauflösbaren Dilemma. Im Umgang mit totalitären Kräften hat demokratischer Widerstand einen strukturellen Nachteil: Entweder er verzichtet auf die Gewaltmethoden seines Gegners, dann ist er im Begriff, den Konflikt militärisch zu verlieren, oder er bedient sich der Methoden seiner Gegner, dann läuft er Gefahr, den Konflikt moralisch zu verlieren, indem er seine demokratisch-humanistischen Grundkoordinaten verrät. Deshalb misst die Öffentlichkeit gerne mit zweierlei Maß: Dass ein palästinensischer Selbstmordattentäter wieder fünfzehn Menschen in den Tod gerissen hat, ist eine kleine Meldung. Dass die Israelis zur Verteidigung und Prävention den Führer eines Terrorkommandos getötet haben, ist eine Hauptschlagzeile.

In weiten Teilen Europas und im weniger bedrohten Asien verbreitet sich auch deshalb ein Appeasement, das beängstigend ist. Wenn die Konsequenz aus dem Terror in Madrid beispielsweise darin besteht, dass etwa auch Polen zu dem Ergebnis kommt, dass man sich besser aus der Sache heraushalte, dann geht die Strategie der Al Qaida bald auf: kurzfristig, indem die Allianz der Gegner demoralisiert und decouragiert zerbricht. Und langfristig, indem eine demographische Bombe tickt, deren Explosion wirkungsvoller ist als jeder Sprengsatz.

Die Vorstellung, den Aggressor durch Wohlverhalten zu besänftigen, erinnert an die Situation vor dem Zweiten Weltkrieg : Hätten damals die Alliierten nicht gewartet, verhandelt, taktiert und paktiert, sondern interveniert, dann wären Millionen Juden, Zigeuner, Homosexuelle, Millionen Soldaten, Millionen anders Denkende gerettet worden.

Die anders Denkenden sind wir.

Vielleicht brauchen wir mehr Wachsamkeit und Härte, um unseren Rechtsstaat zu sichern. Vielleicht ist es falsch, dass sich Deutschland aus der Allianz der Willigen heraushält. Vielleicht ist Israel einer unserer wichtigsten Verbündeten. Vielleicht sollten wir diesem Verbündeten nicht Ratschläge erteilen, sondern helfen. Vielleicht macht Amerika mehr richtig, als wir denken. Vielleicht sind die meisten Menschen im Irak heute besser dran als vor einem Jahr. Vielleicht ist George Bush doch nicht dumm und böse, vielleicht werden wir ihm eines Tages - im Rückblick auf eine Entwicklung, die gerade begonnen hat - sogar dankbar sein, weil er zu den ganz wenigen gehörte, die nach der Maxime handelten: Wehret den Anfängen.

 

Und vielleicht bräuchten wir Deutsche für unser Weltbild mehr als sieben Sätze.

 

Source: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040425/politik/story674175.html

© Berliner Morgenpost 2004



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